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Erst jetzt haben sie es rausgelassen. Jahrelang geheim gehalten, ob aus Gründen der Peinlichkeit oder weil sie es wirklich für genial hielten. Der weltweit gefürchtete israelische Geheimdienst Mossad hatte in den 70ern ganz tolle neue Ideen zur Terrorismusbekämpfung. Zum Beispiel mit Wüstenmäusen. Wir kennen das alle. Sind wir nervös oder aufgeregt, transpirieren wir ein wenig mehr – vorsichtig ausgedrückt. Der Anteil an Adrenalin in unserem Körperschweiß nimmt ebenfalls sprunghaft zu. Darauf sollten die Riecher der kleinen Nager ansprechen. Und tatsächlich. Sie hatten in ihren Käfigen einen kleinen Hebel, den sie betätigen mussten, falls ihnen vermehrt das Stresshormon in die Nase stieg. Im Labor ein voller Erfolg. An den Studien war nicht nur der Mossad beteiligt, auch der englische Auslandsgeheimdienst MI 5 war an den Ergebnissen brennend interessiert, wie ihr früherer Chef, Sir Stephen Lander, erst viel später verriet. Also stellten sie am Flughafen in Tel Aviv neben dem Check-In viele kleine Mäusekäfige auf. Natürlich versteckt, was hätten die armen Fluggäste wohl sonst noch gedacht (Versuchslabor, Pelztierfarm, durchgeknallt?!?). Ich stelle mir das so vor, dass ein Haufen von hochbezahlten Geheimdienst-Spezialisten mit den hochgezüchteten Super-Mäusen im Schlepptau am Airport aufkreuzen. In mehreren Nacht- und Nebelaktionen werden unauffällige Verkleidungen gebastelt, damit alles so normal wie möglich aussieht. Dann die Viecher rein in die Käfige. Damit sie besser Witterung aufnehmen konnten und jeder noch so schnell vorbeirauschende Passagier auch ausreichend beschnuppert werden konnte, wurden gegenüber riesige Ventilatoren aufgestellt. Die pusteten die Körpergerüche direkt auf die kleinen, feinen Nasen. In Tel Aviv sind die Temperaturen meist so heiß, das großvolumige Gebläse am Flughafen nicht sonderlich auffallen. Man stelle sich nur vor, die Terroristenhatz hätte am Yukon in Alaska stattfinden sollen. Die Mäuse wären im Windkanal erfroren, von den Passanten gar nicht zu reden. Na ja, jedenfalls waren die Mäuse auch außerhalb des Labors am Flughafen ein voller Hit. Sobald ein schwitzender Fluggast in der Nähe war, wurden die niedlichen Nagetiere aktiv und betätigten gemäß ihrer genialen Dressur einen Hebel. Dann wussten die mit Zolluniformen getarnten Agenten sofort, dass hier ein stark transpirierender Mensch vor ihnen stand. Meistens merkten sie es auch ohne den Maus-Alarm, denn auch für weniger feine Nasen ist der Geruch von menschlichem Schweiß oft wahrnehmbar. Das haben wir sicher alle schon mal auf die eine oder andere leidvolle Weise erfahren (ich sage nur Sporttrikot etc.). Jetzt kommt der Denkfehler an der Geschichte. So sehr die Mäuse es auch draufhatten, den erhöhten Adrenalinspiegel zu erkennen, sie wussten leider nicht warum er erhöht war. Viele brave Fluggäste mit panischer Flugangst schwitzten mehr als manch cooler, abgebrühter Terrorist. So fischten die israelischen Beamten eine Menge schwitzender Menschen aus den Warteschlangen, RAF- und Hisbollah-Mitglieder waren niemals dabei. Um so verwunderlicher, dass der englische MI 5 ebenfalls daran Interesse hatte. Irgendwie war der Wissensdurst wohl doch nicht so groß, denn sonst hätte sich die Idee bestimmt durchgesetzt. Statt an Metall-Detektoren und Gepäck-Durchleuchtern müssten wir heute vor dem Betreten von Flugzeugen an Kleintier-Bauern mit Zugluft stehen bleiben. Falls der kleine Racker dann den ominösen Hebel umlegen sollte, wäre der Flug gestrichen.© Harry Haller
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